Episode 102: Tausendschönchen (Sedmikrásky / Daisies), 1966

Zusammenfassung

Vera Chytilovás zweiter Film ist tief in seiner Zeit verankert: 1966, zwei Jahre vor dem Prager Frühling und mitten in der Tschechoslowakischen Neuen Welle, die sie mit anderen Absolventen der berühmten FAMU in  Prag stark prägen sollte. DAISIES ist ein im heutigen Kontext schwierig zu dekodierendes Werk, das irgendwo zwischen der Nouvelle Vague in der Prägung eines Jean-Luc Godard und dem russischen Montage-Kino wie filmischer Situationismus anfühlt. Wir diskutieren, ob der Film trotz fehlender psychologischer Tiefe in den Charakteren wirklich einer surrealistischen Strömung in der Neuen Welle zugeordnet werden sollte, wie er fast ausschließlich Top-Down-Denkprozesse bei seinem Publikum auslöst und was die experimentelle und ausgestellte Ästhetik und der Humor für eine Rolle spielen. Wir sind uns nur in einer Sache sicher: mit seinem ausgestellten Plädoyer für den Individualismus und zwei Figuren, die sich allen Anforderungen einer hart-arbeitenden Bürgerin verweigern, musste der Film selbst vor dem Einmarsch sowjetischer Truppen in seiner Heimat zensiert werden.

Daten & Verfügbarkeit

Sedmikrásky (de.: Tausendschönchen, en.: Daisies), CS 1966, Regie: Vera Chytilová

Wir haben die Blu-ray von Second Run aus Großbritannien geschaut, die zwei tolle Audiokommentare bereithält und ein sehr gutes Bild liefert. Mit anderen Extras ausgestattet, aber sicherlich gleiche, hohe Qualität bietet die deutsche Veröffentlichung von Bildstörung.

Rechtliches

Für den Podcast wurden Soundeffekte von der Seite Freesound.org verwendet (Beschreibungen in Englisch):

Thanks to all creators and the community of freesond.org!

Special Thanks

Ein besonderer Dank geht an Florian Hoffmann, der unseren bescheidenen Intro-Text wie ein Ereignis hat klingen lassen. Alle unsere Versuche, ihn mit Nachbearbeitung auf unser Niveau herabzuziehen, sind zum Glück fehlgeschlagen.

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