Archive: Episoden

  • Episode 213: Eine Faust wie ein Hammer (Du bei chuan wang / One-Armed Boxer), 1972

    Episode 213: Eine Faust wie ein Hammer (Du bei chuan wang / One-Armed Boxer), 1972

    Unsere Folge hat mal wieder einen traurigen Anlass: Jimmy Wang Yu ist vor Kurzem verstorben. Wem der Name nichts sagt: Wang Yu wird gerne als „Bruce Lee vor Bruce Lee“ bezeichnet. Genauso wie Bruce Lee war er nicht nur als Darsteller, sondern auch als Regisseur ein großer Erneuerer des Martial Arts-Films. Das wird auch in seinem dritten Film von 1972 deutlich: darin, wie Wang Yu ganz klar für die wuchtige Montage inszeniert. Und darin, wie die quasi dauerhaften Kämpfe des Films nie langweilen, sondern immer auch ganz präzise erzählen, weit über das körperliche Spektakel hinaus.

  • Episode 212: Ein Hongkong-Bluray Roundup

    Episode 212: Ein Hongkong-Bluray Roundup

    Es ist schwer, uns beide gleichzeitig an die Micros zu bekommen, die Zeiten sind stressig. Aber Knut hat nun Urlaub gehabt und deshalb das Ecke’sche Korrektiv umgangen, um frei über den Push an Releases von Hongkong-Filmklassikern zu sprechen. So alleine ohne die Stütze des Gegenübers sind Verhaspeleien, nicht ganz genaue Filmtitel und mäandernde Satzkonstruktion nicht ganz auszuschließen…

  • Episode 211: Tony Arzenta – Tödlicher Hass (Tony Arzenta), 1973

    Episode 211: Tony Arzenta - Tödlicher Hass (Tony Arzenta), 1973

    Anders als in vielen anderen italienischen Krimis der Zeit geht es hier kaum politisch zu, die bleiernen italienischen 70er sind kein Thema. Stattdessen inszeniert Tessari eine maximal vorhersehbare Mafiahandlung mit Alain Delon in seiner Paraderolle als Auftragskiller. Der Plot ist eigentlich nur dazu da, um möglichst fantasievoll und einfallsreich Set Pieces zu inszenieren, Genrekonventionen spürbar zu machen und dem Publikum zu seinem Vorwissen über das Poliziotto-Genre zu gratulieren. Und das macht bei einem begnadeten Regisseur wie Tessari enorm viel Spaß.

  • Episode 210: Conan, der Barbar (Conan the Barbarian), 1982

    Episode 210: Conan, der Barbar (Conan the Barbarian), 1982

    Aus heutiger Sicht wäre es einfach, CONAN komplett in den Boden zu stampfen: Survival of the Fittest, männliche Machtfantasien, Gewalt als einzige Lösung und Überhöhen eines „King of his own making“ in wagnerischem Sound und Olympia-Ästhetik. Stimmt alles, wenn man es so lesen will, aber es ist halt nicht ganz so einfach. Denn hier gibt es einen weiten Spagat zwischen reduzierter Narration voller Auslassungen und nicht-eindeutigen Symbolen und der opernhaft untermalten, klar überhöhenden Ästhetik. Dann wird es nicht mehr einfach und wir werden zurückgeworfen auf die Widersprüchlichkeiten und den vorhandenen Genuss der „verbotenen“ Ästhetik. Am Ende ist es 80er Jahre Kino auf hohem Niveau, das vieles anbietet, und viel mehr Nihilismus mitträgt, als es anfangs scheint.

  • Episode 209: Dead Heat, 1988

    Episode 209: Dead Heat, 1988

    Spurwechsel hin und kümmern uns um das Regiedebut von Schnittmeister Mark Goldblatt, einem der vielen Talente aus der Corman-Schule für günstiges, effektvolles Filmemachen: DEAD HEAT. Als blutrünstige Variante des DEAD ON ARRIVAL-Stoffes muss Treat Williams als Zombie im Cop-Duo seinen eigenen Tod aufklären. Beziehungsweise behauptet das die Handlung, denn eigentlich geht es darum, abstrus-deftige Setpieces zu schaffen, die vor allem Spaß machen. So verhindert das Drehbuch jede Form von Melodramatik und arbeitet stattdessen mit möglichst viel Nihilismus, um die wieder langweiligen Buddy Movie-Mechaniken und überhaupt den 80er Jahre Actionfilm in sich aufzulösen: nicht kunstvoll, aber mit garstigem Humor und anarchischem Willen zur sehr, sehr blutigen Unterhaltung.

  • Episode 208: Mandabi – Die Überweisung (Mandabi), 1968

    Episode 208: Mandabi - Die Überweisung (Mandabi), 1968

    Wir wagen zum ersten Mal einen Blick auf das afrikanische Kino, und das gleich mit einem großen Klassiker: Ousmane Sembenes Mandabi, der Startschuss für einen afrikanischen Film mit weltweitem Anschluss. Wir reden über die Unmöglichkeit, als maximale Almans die komplexen Kodes des postkolonialen Senegal zu lesen. Über Sembenes trickreiche Sympathielenkung für den Protagonisten Ibrahim, der uns zu Beginn des Films maximal unsympathisch ist – und dem am Ende unser ganzes Mitgefühl gehört. Und den transnationalen Stil der Neuen Wellen, der in Mandabi deutlich spürbar ist.

  • Episode 207: Rote Wüste (Il deserto rosso), 1964

    Episode 207: Rote Wüste (Il deserto rosso), 1964

    Vor ein paar Tagen ist die große Monica Vitti gestorben. Am liebsten würden wir aus diesem Anlass ja eine ihrer vielen Komödien besprechen, aber leider wurden die außerhalb Italiens praktisch nicht auf Blu ray ausgewertet. Deswegen noch einmal eine ihrer Zusammenarbeiten mit Antonioni: einer dieser Scharnierfilme, immer noch der vorangegangenen Trilogie (L’avventura/La notte/L’eclisse) sehr ähnlich, aber dann auch immer wieder ganz anders: explizit und ganz konkret politisch zum Beispiel. Und auf eine Art und Weise psychologisierend, die uns Vittis Protagonistin erstaunlich nahe bringt, gerade im Vergleich zu den bourgeoisen Unsympathen der Trilogie. Schließlich, und nicht zu unterschätzen: das ist Antonionis erster Farbfilm. Und er lässt sich da keinesfalls lumpen.

  • Episode 206: Lautlos im Weltraum (Silent Running), 1972

    Episode 206: Lautlos im Weltraum (Silent Running), 1972

    Technik- und Effektpionier kaum herum. Wir haben uns sein Regiedebüt Silent Running aus dem Jahr 1972 ausgesucht – und reden darüber, warum der Film nicht nur aufgrund seiner Produktionsgeschichte in eine Reihe mit Easy Rider und The Last Picture Show gehört: New Hollywood im Weltraum, mit authentischer Locationarbeit und Unbehagen gegenüber der eigenen Generation. Wir reden auch über Trumbulls Umgang mit dem Konzept Robinsonade. Bruce Derns grandioses Schauspiel. Und natürlich die ungeheuer einflussreichen Effekt- und Designarbeiten des Films.

  • Episode 205: Mothra bedroht die Welt (Mosura), 1961

    Episode 205: Mothra bedroht die Welt (Mosura), 1961

    Ishiro Hondas Mosura (1961) sollte alleine deswegen schon auf jeder Bestenliste japanischer Filme stehen, weil sein Titelschlager, gesungen vom Zwillingsduo The Peanuts, ein unfassbarer Ohrwurm ist. Aber auch sonst hat dieser erste Auftritt der Riesenmotte viel zu bieten: da sind die vielen suggestiven Bildern, die Ishiro und sein Team finden, wie etwa das der verpuppten Motte, die es sich am Tokyo Tower gemütlich gemacht hat. Die Spezialeffekte, die nichts mit Mimesis am Hut haben, dafür aber umso mehr mit der Faszination Modelleisenbahn. Und schließlich Ishiros erklärtes Ziel, so etwas wie den Gegenentwurf zu seinem eigenen Gojira zu erzählen: Feenwelt statt Realismus, Verzauberung und Abstraktion statt Alltag.

  • Episode 204: Der Scharlatan (Nightmare Alley), 1947

    Episode 204: Der Scharlatan (Nightmare Alley), 1947

    Wenn das aktuelle Kino mal wieder Bezug auf das klassische Hollywood nimmt, sind wir natürlich dabei. Zum Kinostart von Guillermo del Toros Nightmare Alley unterhalten wir uns über die erste Verfilmung des Romans von William Lindsay Gresham aus dem Jahr 1947 – ein Klassiker des Film Noir, der sich in vielen Punkten von anderen Filmen der ursprünglichen Schwarzen Serie unterscheidet. Das liegt zum einen daran, dass es kein kleiner, dreckiger B-Film ist, sondern eine teure A-Produktion, mit großem Star in der Hauptrolle (Tyrone Power) und erheblich längerer Laufzeit. Außergewöhnlich ist aber auch das Zirkus-Setting – zumindest die erste Hälfte des Films spielt nicht im sonst so üblichen Großstadtdschungel. Wir reden darüber, was dieser Status als Großproduktion für dramaturgische und inhaltliche Folgen hat. Und spekulieren darüber, warum Guillermo del Toro wohl der Meinung war, dass der Stoff heute noch anschlussfähig ist.