Episode 093: Bübchen, 1968

Zusammenfassung

Ein kleiner Junge bringt seine noch kleinere Schwester um, während die Eltern beim Betriebsfest sind und die Babysitterin mit einem dubiosen Typen einparken lernt anstatt auf die Kinder aufzupassen. Warum hat das Bübchen das gemacht? Liegt es an den sozialen Umständen, der emotionalen Kälte der Bonner Republik, dem Patriarchat, ist das Bübchen ein Psychopath, geht es hier um nature oder um nurture? Roland Klicks BÜBCHEN beantwortet keine dieser Fragen so wirklich. Stattdessen geht es darum, diese Tat und ihre Folgen zu erleben. Wir reden darüber, wie der Film das macht. Und darüber, wie der Maverick Klick hier noch zwischen den Stühlen steht, zwischen Neuem Deutschen Film und echter Unabhängigkeit..

Daten & Verfügbarkeit

Bübchen, BRD 1968, Regie: Roland Klick

Wir haben die Blu ray aus der Edition Deutsche Vita gesehen: makelloses Bild, schöne Extras, hilfreiches Booklet. Impeccable!

Rechtliches

Für den Podcast wurden Soundeffekte von der Seite Freesound.org verwendet (Beschreibungen in Englisch):

Thanks to all creators and the community of freesond.org!

Special Thanks

Ein besonderer Dank geht an Florian Hoffmann, der unseren bescheidenen Intro-Text wie ein Ereignis hat klingen lassen. Alle unsere Versuche, ihn mit Nachbearbeitung auf unser Niveau herabzuziehen, sind zum Glück fehlgeschlagen.

2 Antworten auf „Episode 093: Bübchen, 1968“

  1. Oha! Bei Minute 31 hätte es fast gekracht. Bin froh, dass ihr nochmal die Kurve gekriegt habt.

    Interessant, dass ihr Haneke erwähnt. Obwohl ich “Bübchen” nicht kenne, musste ich bei eurer Besprechung häufig an “Bennys Video” denken. Denkt ihr, dass Haneke da von Klick inspiriert war?
    Aber um ganz andere Beziehungen aufzumachen: Seht ihr einen Einfluss von John Cassavetes auf Klick, gerade bei der Abbildung häuslichen Alltags?

    Zum “Neuen Deutschen Film” gäbe es wohl noch einiges zu sagen. Nach eurer Beschreibung könnte man fast meinen, das sei eine nicht enden wollende Parade von Straub/Huillet-Filmen. Schaut doch mal Alexander Kluges “Die Patriotin” (1979), der ist schwer unterhaltsam!

    Viele Grüße!

    1. Guude, haha, da ist Audio vielleicht etwas zu krass, wenn Du mich gesehen hättest, ich habe ihn dabei mit Augenzwinkern und Ironie entgegengeschaut. Auch deshalb ist es uns so wichtig, jede Folge gemeinsam vor Ort aufzunehmen, Jochen hätte es mir sicherlich sonst erst übel genommen 😀

      Haneke ist definitiv nicht mein Fachgebiet, da hat Jochen etwas mehr Ahnung. Aber die Filme, die ich gesehen habe, inkl. BENNY’S VIDEO, haben eine etwas andere Stoßrichtung, sind zumindest in dem Maße recht klar interpretierbar, dass Haneke sehr kritisch mit Medienkonsum umgeht, damit also das soziale Umfeld beleuchtet. Ich würde es also als deutliches Leseangebot wahrnehmen, dass wir Medien und deren Einfluss auf das Sozialgefüge als Erklärung für die Mordhandlung aufnehmen. Das macht Klick alles bewusst nicht. Aber Haneke kennt den europäischen Film sehr genau, neben Frankreich und Österreich spielt da der deutsche Film eine große Rolle. Da liegt es nah, dass er sich mit einem der Mavericks des westdeutschen Kinos auch auseinandergesetzt hat. Ich glaube, der Einsatz der Schauspieler ist auch recht ähnlich.

      Zum Neuen Deutschen Film… natürlich haben wir uns da sehr überspitzt geäußert. Aber für mich (Knut) stellt gerade das Oberhausener Manifest nicht nur eine Befreiung vom Altkader-Heimatfilm, sondern auch ein echtes Problem für die zukünftige westdeutsche Filmgeschichte dar. Es markiert nämlich auch den baldigen Beginn des Kuratorium Neuer Deutscher Film, und das hat es quasi unmöglich gemacht, andere Räume als die um Alexander Kluge mit dem Begriff Filmkunst förderwürdig zu gestalten. Hinterher ist man halt immer schlauer, aber auch mit Ausnahmen (Edgar Reitz hat als Unterzeichner auch einiges Großes produziert) ist diese starke Entwicklung mit Backing der Fördertöpfe einer der Gründe, warum das aufregende andere Kino aus der BRD größtenteils verschwand. Nicht sofort, aber schon bald. Sind deshalb die Filme um den Neuen Deutschen Film schlecht? Definitiv nicht, historisch sind sie auch sehr relevant. Aber sie markieren etwas, was filmpolitisch aus meiner Sicht fatal war. Und darum ging es, auch weil Klick sich ja genau dagegen zu stemmen versuchte. 🙂

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