Schlagwort: US-Kino

  • Episode 225: Der Mann, der Liberty Valance erschoss (The Man Who Shot Liberty Valance)

    Episode 225: Der Mann, der Liberty Valance erschoss (The Man Who Shot Liberty Valance)

    Als Der Mann der Liberty Valance erschoss 1962 Premiere feiert, ist John Ford 68 Jahre alt. Der letzte große Film des Meisters wird eine Bestandsaufnahme des eigenen Schaffens und zur direkten Auseinandersetzung mit der jungen Generation, die das klassische Hollywood Ford’scher Prägung gerade ablöst. Wir reden darüber, wie Liberty Valance zuerst wie ein Thesenfilm wirkt, den man gar nicht analysieren muss: die Vereinigten Staaten finden in dem Moment zu sich selbst, in dem sich der Wilde Westen selbst abschafft – aber ohne Gewalt ist keine Revolution zu machen. Sieht man dann aber genauer hin, wird alles deutlich komplizierter und ambivalenter. Der unverstellte Blick von Fords Kamera, hier so unverschämt direkt wie in kaum einem anderen seiner Filme, trügt.

  • Episode 219: Andy Warhols Frankenstein (Flesh for Frankenstein), 1973

    Episode 219: Andy Warhols Frankenstein (Flesh for Frankenstein), 1973
  • Episode 217: Sindbads siebente Reise (The 7th Voyage of Sinbad), 1958

    Episode 217: Sindbads siebente Reise (The 7th Voyage of Sinbad), 1958

    Hat ja jetzt lange Zeit gedauert mit der neuen Folge, leider unvermeidlich, so mit Leben und seinen Unwägbarkeiten. Aber wir steigen genau da ein, wo die Archivare eigentlich ausschließlich zu finden sind: im Effektkino, im Kintopp, beim oberflächlichen Spektakel, im Schmuddelkinder-Kino, über das die deutsche Filmpresse allenfalls wohlwollend eine Kindlichkeit der Macher akzeptiert, aber eher ob der billigen Effekthascherei die kinematographisch geschulte Nase rümpft. Kurzum: wir widmen uns Ray Harryhausen und einem seiner vielen bahnbrechenden Filme: dem ersten Sindbad (jetzt mit Monstern wie in den Vorlagen!). Wir sprechen darüber, wie hier einmal nicht der Regisseur die künstlerische Kraft ist, wieso on-location für die Effekte aus dem Atelier enorm wichtig ist und vor allem: wie ein Publikum an die Effektszenen herangeführt wird, sodass es richtig knallt und emotional aufregend wird, etwas, was die Effektmacher der Generation Phil Tippett (Star Wars) und Regisseure wie Steven Spielberg hier gelernt haben – nicht der Effekt alleine zählt, sondern das Heranführen an ihn und die Schauspieler als notwendige emotionale Projektionsfläche für das Publikum. Etwas, was das aktuelle Kintopp wirklich in seiner Masse an schnell erstellten Effekten häufig zu vergessen scheint. Vielleicht auch deshalb rümpfen wir, mit Recht (!), über das aktuelle Effekt-Kino unsere kinomatographisch geschulte Nase… some history repeating?

  • Episode 210: Conan, der Barbar (Conan the Barbarian), 1982

    Episode 210: Conan, der Barbar (Conan the Barbarian), 1982

    Aus heutiger Sicht wäre es einfach, CONAN komplett in den Boden zu stampfen: Survival of the Fittest, männliche Machtfantasien, Gewalt als einzige Lösung und Überhöhen eines „King of his own making“ in wagnerischem Sound und Olympia-Ästhetik. Stimmt alles, wenn man es so lesen will, aber es ist halt nicht ganz so einfach. Denn hier gibt es einen weiten Spagat zwischen reduzierter Narration voller Auslassungen und nicht-eindeutigen Symbolen und der opernhaft untermalten, klar überhöhenden Ästhetik. Dann wird es nicht mehr einfach und wir werden zurückgeworfen auf die Widersprüchlichkeiten und den vorhandenen Genuss der „verbotenen“ Ästhetik. Am Ende ist es 80er Jahre Kino auf hohem Niveau, das vieles anbietet, und viel mehr Nihilismus mitträgt, als es anfangs scheint.

  • Episode 209: Dead Heat, 1988

    Episode 209: Dead Heat, 1988

    Spurwechsel hin und kümmern uns um das Regiedebut von Schnittmeister Mark Goldblatt, einem der vielen Talente aus der Corman-Schule für günstiges, effektvolles Filmemachen: DEAD HEAT. Als blutrünstige Variante des DEAD ON ARRIVAL-Stoffes muss Treat Williams als Zombie im Cop-Duo seinen eigenen Tod aufklären. Beziehungsweise behauptet das die Handlung, denn eigentlich geht es darum, abstrus-deftige Setpieces zu schaffen, die vor allem Spaß machen. So verhindert das Drehbuch jede Form von Melodramatik und arbeitet stattdessen mit möglichst viel Nihilismus, um die wieder langweiligen Buddy Movie-Mechaniken und überhaupt den 80er Jahre Actionfilm in sich aufzulösen: nicht kunstvoll, aber mit garstigem Humor und anarchischem Willen zur sehr, sehr blutigen Unterhaltung.

  • Episode 206: Lautlos im Weltraum (Silent Running), 1972

    Episode 206: Lautlos im Weltraum (Silent Running), 1972

    Technik- und Effektpionier kaum herum. Wir haben uns sein Regiedebüt Silent Running aus dem Jahr 1972 ausgesucht – und reden darüber, warum der Film nicht nur aufgrund seiner Produktionsgeschichte in eine Reihe mit Easy Rider und The Last Picture Show gehört: New Hollywood im Weltraum, mit authentischer Locationarbeit und Unbehagen gegenüber der eigenen Generation. Wir reden auch über Trumbulls Umgang mit dem Konzept Robinsonade. Bruce Derns grandioses Schauspiel. Und natürlich die ungeheuer einflussreichen Effekt- und Designarbeiten des Films.

  • Episode 199: Film Noir als Serie – The Mob (1951) & The Sniper (1952)

    Episode 199: Film Noir als Serie - The Mob (1951) & The Sniper (1952)

    Es ist #noirvember, und wir haben uns da was ausgedacht. Anstatt über große Klassiker des Noir zu sprechen, wollen wir das „Serie“ in „Schwarze Serie“ ernst nehmen – und Noir genau als solche begreifen. Das geht kaum besser als mit den Columbia Noir-Boxen des Indicator-Labels. Diesmal haben wir uns Edward Dmytryks The Sniper und Robert Parrishs The Mob ausgesucht. Es ist sofort offensichtlich, dass beide zur selben Serie gehören: die Gemeinsamkeiten reichen von dramaturgischen Aspekten wie der Columbia-typischen Slam Bang!-Eingangsszene bis zur spektakulären Locationarbeit. Aber an beiden Filmen lässt sich auch gut festmachen, was die Stärke des seriellen Erzählens im Studiokontext ist: Dmytryk und Parrish müssen bestimmten Normen folgen, aber die Regeln sind gleichzeitig enorm dehnbar. So geht Dmytryk mit seiner Darstellung eines Serienmörders an Grenzen, weil wir den Verbrecher bedauern sollen. Und Parrish lotet aus, wie künstlich Noir bei Columbia Anfang der 50er werden darf, bevor das Produktionsbüro einschreitet.

  • Episode 197: Tremors – Im Land der Raketenwürmer (Tremors), 1990

    Episode 197: Tremors - Im Land der Raketenwürmer (Tremors), 1990

    Ja, wir beschließen den #horrorctober eigentlich im #noirvember, aber so ist es eben manchmal im Leben: es ist nicht wirklich vorhersehbar. Im beschaulichen Kaff Perfection, einer wahren Sackgasse im modernen Rest des Western-Countries, geht es den 14 Einwohnern nicht anders. Denn: nicht einmal der härteste Prepper rechnet damit, dass statt dem ewigen Russen der Raketenwurm unter der Tür stehen könnte. Wir beenden unseren Suche nach dem gepflegten Grusel also dieses Jahr doch nicht zitternd in der dunklen Zimmerecke, sondern tief am Endpunkt der ironischen Welt der 1980er Postmoderne, in der Zuschauern abverlangt werden kann, dass sie ihre Hypothesenbildung weg aus dem Wissen über Genre-Optionen und Figuren hin zur film-technischen Umsetzbarkeit und Budgetierung als kleiner, gemeiner Film ausgeweiteten – als hätten die Herren Greenaway und Raimi eine eigene Produktionsfirma gegründet und bemerken gerade, dass das vielleicht ein Fehler war…

  • Episode 190: Foxy Brown, 1974

    Episode 190: Foxy Brown, 1974

    fast für eine Komödie halten. Foxys Bruder Link gerät in Schwierigkeiten mit einem Drogenkartell? Die Schwester holt ihn mit dem Auto ab, fährt die – natürlich weißen – Schergen über den Haufen. Ein henchman zappelt kopfüber aus dem Dachfenster, der andere wimmert auf der Windschutzscheibe. So geht das eine ganze Weile, bis plötzlich die exploitation in blaxploitation sich Bahn bricht. Wir reden über diese große dramaturgische Brüchigkeit von Foxy Brown. Darüber, dass ein Film nicht die Summe seiner ideologischen Verfehlungen ist. Und über Jack Hills Inszenierungsstrategien, mal vollkommen schmucklos und direkt, dann wieder präzise und ungeheuer effektiv.

  • Episode 165: Der weiße Hai (Jaws), 1975

    Episode 165: Der weiße Hai (Jaws), 1975

    DER WEISSE HAI ist einer dieser Klassiker, die sowohl geliebt, als auch gehasst werden. Auf der einen Seite einer der besten Thriller der 70er Jahre als Scharnier zwischen New Hollywood und dem Blockbuster-Kino der 80er, auf der anderen Seite nun eben das: der erste Blockbuster und damit so etwas wie ein Blueprint für das Action-Kino des nächsten Jahrzehnts. Dabei haben die Filme der 80er zwar vieles an Eskalationslogik und Final-Konstruktion clever übernommen, was aber Steven Spielberg bei DER WEISSE HAI gelingt, wird den meisten fehlen: die Verankerung in einer Lebensrealität, die aktuelle gesellschaftliche Themen verhandelt. Durch diese wird der Hai, egal ob Attrappe oder nicht, zu einem unheimlichen Symbol für die Probleme der Zeit und einem Konflikt der Generationen, das nur im genrehaften Finale „erlegt“ werden kann. Kein Wunder, dass wir im Kern kaum auf hohe See gehen und uns viel um das 70-minütige Drama auf Land kümmern.